Robs Metal Moments – September 2021

… from the old gods and the new.

Der September war so voll mit neuer, toller Musik, dass ich hier locker doppelt so viele Bands und Alben besprechen könnte. Und ganz ehrlich, von denen, die gestern (24. September) rausgekommen sind, habe ich außer Rivers of Nihil noch gar nichts gehört. Also gibt es heute die geballte Ladung neuer Musik auf die Ohren und wenig Gossip (wobei der Streit zwischen Corey Taylor und Machine Gun Kelly schon sehr witzig ist). Allerdings möchte ich vorher noch auf einen anderen schönen Anlass des Septembers hinzuweisen. Mitte des Monats hatte mein Stiefpapa Geburtstag und heute ist der Ehrentag meiner Mutti. Also, alles alles Liebe euch beiden. Ich freue mich sehr auf das Essen heute Abend. Jetzt aber allen anderen viel Spaß und wie immer freue ich mich über Feedback!

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Das hatten sich Seven Spires, das Symphonic-Metal Quartett aus den USA, sicher anders vorgestellt. Erst Anfang 2020 haben sie mit Emerald Seas ihr zweites Album rausgebracht (das ich auch schon sehr mochte) und wollten eigentlich mit zahlreichen Konzerten in Nordamerika und Europa für sich werben. Wir wissen alle, was dann kam, und so hat die Gruppe die Zeit genutzt und präsentiert uns knapp eineinhalb Jahre später ihr drittes Album Gods of Deabuchery (VÖ: 10.09.). Und Holy Moly! Wie unfassbar gut ist dieses Album? Die Band um Sängerin und Komponistin Adrienne Cowan und Gitarrist Jack Kosto hat in allen Bereichen einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Musikalisch bedienen sich dabei in allen nur denkbaren Genres, auch wenn sie ihre Symphonic-Metal-Wurzeln (die orchestralen Kompositionen von Cowan sind mindblowing!) nie verlassen. Death Metal (Dare to Live), Black Metal (Dreamchaser), Power Metal (Oceans of Time), Progressive Metal (das epische This God is Dead mit dem früheren Kamelot Frontman Roy Khan) und sogar einen Ausflug in Popgefilde (Lady Lightbringer, ich kriege diesen Refrain einfach nicht mehr aus dem Kopf) vereint das Quartett spielerisch, ohne dass das Album überladen wirkt. Lasst euch also nicht irritieren, bei aller Härte stehen für Seven Spires Melodien und das Storytelling jederzeit im Vordergrund. Vor allem der Titeltrack Gods of Debauchery ist so unglaublich gut, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Trotz der durchgängig harschen Vocals ist der Song unglaublich eingängig. Für mich ist das nicht nur das beste Lied, das die Band je geschrieben hat, sondern auch einer meiner liebsten Tracks des gesamten Jahres.

Das größte Faustpfand der Band ist aber ihre Sängerin. Welchen Schritt Cowan mit ihren Vocals nach vorne gemacht hat, ist unfassbar. Hohe Screams, tiefe Growls, kratziger Rockgesang oder einfach wunderschöne Clean Vocals – sie beherrscht alles auf einem so absurd hohen Level, dass es mich förmlich umgehauen hat. Dabei kommt der Band definitiv ihre Ausbildung zugute. Die Musiker*innen haben sich in Boston am renommierten Berklee College of Music kennengelernt. Ich glaube, dass diese klassische Musikausbildung ihnen hilft, so problemlos zwischen den Genres zu springen. Als wäre das alles nicht genug, schafft die Band es zusätzlich, mich mit ihrem Konzept zu fesseln. Gods of Debauchery ist der dritte Teil einer zusammenhängenden (Fantasy-)Erzählung, die mit ihrem Debüt (2017) Solveig begann und auf Emerald Seas (das ein Prequel zu Solveig war) seine Fortsetzung fand.

It follows the journey of a lost soul through a new Victorian underworld, ruled by an ancient demon. In this underworld, you can basically trade your freedom for eternal bliss. This soul does that and realizes after not very long that he has become desensitized to joy – and that’s pretty shitty (laughs). He is looking for an escape by any means necessary. (Adrienne Cowan Interview, 2017)

Gods of Debauchery ist nun das Sequel zu Solveig und (wahrscheinlich) der Abschluss dieser Reise. Dieses Album hat alles, was ich mir von einem Konzeptalbum wünsche. Es gelingt der Band, obwohl die Platte fast 80 Minuten lang ist, dass ich mich zu keiner Sekunde langweile. So vielfältig, abwechslungsreich und fesselnd ist das Material. Normalerweise gebe ich wenig auf die Promotion durch Labels, aber in diesem Fall muss ich dem Marketing einfach zustimmen: This band is not the next big thing, they are the present and the future of the genre.

2 & 3 [CN Sexualisierte Gewalt]

Ich könnte wahrscheinlich einen gesamten Newsletter damit verbringen, über Justine Jones zu schreiben, ihres Zeichens Frontfrau der britischen Metal- und Hardcore Band Employed to Serve. Und weil das ja mein Newsletter ist, mache ich das auch einfach, bevor wir anfangen, uns über das neue Album Conquering (VÖ: 17.09.) zu unterhalten. Justine Jones ist nämlich mehr als „nur“ die Frontfrau einer weiteren Metalband, sondern auch eine der inzwischen einflussreichsten Personen in der britischen Underground Metalszene. Im vergangenen Jahr war sie noch Angestellte und Teilhaberin eines der angesagtesten britischen Metallabels – Holy Roar Records. Im September 2020 wurde bekannt, dass der Labelgründer und -chef mehrere Frauen sexuell missbraucht hat. Innerhalb weniger Tage legte nicht nur das gesamte Team die Arbeit nieder und verließ das Label, sondern auch alle Bands kehrten Holy Roar den Rücken zu. Vielen dieser Bands, wie beispielsweise die Post-Black Metal Gruppe Svalbard, waren zu dem Zeitpunkt kurz davor, Alben zu veröffentlichen. Um diesen Bands die Möglichkeit zu geben ihre Musik zu veröffentlichen, hat Jones, gemeinsam mit ihrem Ehemann und Employed to Serve Gitarrist Sammy Urwin, ein Label aus dem Boden gestampft – Church Road Records. Mitten in einer Pandemie hat das Paar also an ihren Prinzipien festgehalten und Bands, an die sie glauben, dabei unterstützt, ihre Musik reibungslos zu veröffentlichen. Justine Jones ist nicht nur eine Musikerin, die ich wirklich sehr schätze, sondern für mich auch ein Symbol dafür, was mir im Metal und der Community drumherum wichtig ist. Solidarität, Haltung und klare Kante gegen jede Form von Diskriminierung (auch wenn die Metal Szene als Ganzes natürlich weit davon entfernt ist, diese Werte universell zu leben). In diesem Interview spricht Jones über die Zeit der Labelgründung und ihrer Rolle als Frau in der Szene.

Aber ich mag Employed to Serve, unabhängig von meiner Sympathie für Justine Jones. Das Quintett hat eine Energie in ihrer Musik, die mich gepackt hat, seit ich sie vor ca. drei Jahren das erste Mal gehört habe. Besonders ihr letztes Album (Eternal Forward Motion, 2019) hat mich dann restlos von den Fähigkeiten der Band überzeugt. Umso gespannter war ich darauf, wie sie ihren Weg fortsetzen und so viel sei vorweggenommen: Conquering ist das beste Album, das die Band bisher gemacht hat. Ihre Mischung aus Hardcore, Metalcore und Groove Metal wirkt auf ihrem vierten Studioalbum noch ausgereifter, noch progressiver und mutiger. Das Songwriting ist nochmals vielfältiger geworden und der Sound der Band ist abwechslungsreicher als auf früheren Alben. So wechseln sich rotzige Hardcore Punk Nummern mit Rhythmus Metal-Monster (die ab und an an Gojira erinnern) oder eingängigen Metalcore-Hymnen ab. Wie experimentierfreudig EtS inzwischen mit ihrem Sound sind, zeigt beispielsweise das herausragende Sun Up To Sun Down. Hier lassen die fünf Musiker*innen einen dystopischen Industrial Stampfer auf uns los, den ich so von ihnen noch nicht gehört habe. Ich gebe es aber zu, die heißeren, kratzigen Shouts von Jones sind gewöhnungsbedürftig, aber für mich passen ihre Vocals perfekt zu diesem rohem, so stark vom Punk beeinflussten Stil der Band. Conquering ist für die Band ein großer Schritt nach vorne und ich hoffe, dass sie bald auch in Deutschland die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Ich werde mich die nächsten Monate jedenfalls darauf freuen, dass ich Justine Jones und Co. als Support Act von Gojira im April ENDLICH live sehen kann (nachdem ihr Konzert im April 2020 in Bochum abgesagt werden musste. Fuck you Covid-19!)

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Wie geht man als Band damit um, wenn das letzte Album, das man aufgenommen hat, in den Jahren nach seiner Veröffentlichung unisono zu einem modernen Metal-Klassiker erklärt wurde. Nun, die Frage könnte man den Progressive Death Metallern von Rivers of Nihil stellen, denn ihr 2018er Album Where Owls Know my Name ist genau das – ein moderner Metal Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Progressive und Death Metal (sie haben das Saxofon zurück auf die große Metalbühne gebracht) ist so einflussreich, dass auch Metal Titanen wie At The Gates sich inzwischen ein Stück von dem relativ jungen Quintett aus den USA abschneiden.

Es ist also nicht verwunderlich, dass die Erwartungshaltung vor Album Nummer 4 gigantisch war. Und Rivers of Nihil tun das einzige Richtige auf The Work (VÖ: 24.9.), in dem sie ihren eigenen Weg konsequent weitergehen und nicht versuchen „Owls II“ aufzunehmen. Waren Rivers of Nihil bisher eine Technical Death Metal Band, die progressive Elemente in ihren Sound verarbeitet haben, sind sie auf ihrem neuen Album eher eine Progressive Metal Band, die Death Metal Elemente integriert. Nummern wie Wait oder Maybe One Day haben mit Metal ehrlicherweise wenig am Hut und sind Progressive Rock oder Shoegaze Songs (wobei gerade der Zweite eine wunderschöne Ballade ist). Insgesamt ist es sowieso schwierig The Work zu klassifizieren, weil es so experimentell und vielseitig ist, dass es sich jeder Schublade entzieht. Was nicht heißen soll, dass nicht einige „klassische“ Rivers of Nihil Nummern darauf zu finden sind. Lieder wie Clean und insbesondere das herausragende The Void from Which No Sounds Escapes haben alles, was wir Fans uns von Rivers of Nihil wünschen (inklusive Saxophon-Solo!). Ehrlicherweise kann ich noch gar keine abschließende Meinung zu dem Album abgeben, denn The Work braucht Zeit und fordert die Hörenden enorm. Wird es denselben Impact haben wie Owls vor drei Jahren? Sicherlich nicht, dafür ist es zu sperrig und divers. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es eines dieser Alben wird, bei dem viele Fans in Zukunft sagen werden: „Mensch, das ist ihr am meisten Unterschätztes.“ Und es wird definitiv den Status der Band als eine der aufregendsten und spannendsten im gesamten Metal-Zirkus weiter unterstreichen.

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Es wäre schon eine bemerkenswerte Leistung für eine Band, ein Subgenre maßgeblich mitgeprägt zu haben, aber direkt für die Entstehungen von zweien (mit-)verantwortlich zu sein, ist etwas sehr Spezielles. Zur zweiten Kategorie dürfen sich die Briten von Carcass zählen. Sie haben nicht nur in den 1980ern zur Entstehung des Grindcore* beigetragen, sondern in den 1990ern zusammen mit Bands wie At The Gates oder In Flames auch das Fundament des modernen Melodic Death Metal gelegt. Besonders ihr 1993er Album Heartwork zählt nicht nur für mich zu einem der besten Metal Alben aller Zeiten. Nachdem sich die Band dann Mitte 1990er auflöste, war es lange Zeit ruhig um das Duo Jeff Walker (Bass, Vocals) und Bill Steer (Gitarre), die das Herz der Band bilden. Erst 2013 erschien mit Surgical Steel das langersehnte Comeback Album und es dauerte ganze achte Jahre bis mit Torn Ateries das siebte Studioalbum der Band veröffentlicht wurde (VÖ: 17.09.). Was man dem neusten Werk des Liverpooler Quartetts sofort anhört, ist, wie viel Spaß die Band offensichtlich beim Einspielen des Materials hatten. Steer und Walker müssen an diesem Punkt in ihrer Karriere niemanden mehr etwas beweisen. So schleicht sich in den, ohne Zweifel immer noch etwas dreckigen Death Metal, vermehrt der Einfluss der klassischen New Wave of British Heavy Metal Schule ein. Das Album strotzt nur so vor tollen Riffs und Solos. Da wäre zum Beispiel das grandiose Dance of Ixtab, das mit seinem stampfenden Rhythmus dafür sorgt, dass ich vier Minuten lang im Takt den Kopf bewege. Das sie auch ihren etwas speziellen britischen Humor nicht verloren haben, zeigt Eleanor Rigor Mortis, ein Wortspiel mit dem Song Eleanor Rigby einer anderen Liverpooler Band, die etwas Einfluss auf die Musikszene hatte (ich meine die Beatles, aber das war klar, oder?). Bei allem Spaß, den die Platte macht, bleiben Carcass aber ihrer generellen Message treu. Seit jeher sind Steer und Walker Vegetarier und setzten sich für Tierrechte und Umweltschutz ein – so ziert das Cover von Torn Ateries den anatomischen Nachbau eines Herzens aus Gemüse. Das Video zu Kelly’s Meat Emporium bringt diese Botschaft noch deutlicher auf den Punkt. Das ist selten subtil und etwas kitschig, aber am Ende einfach konsequent. Im Jahr 2021 stehen Carcass für guten Melodic Death Metal, mit allen möglichen Einflüssen aus dem Grindcore, Progressive Bereich (sogar ein sehr gelungener zehn Minuten Track findet sich auf dem Album) und Heavy Metal, der zwar niemanden mehr überrascht oder schockt (und das wohl auch gar nicht will), aber unfassbar viel Spaß macht. Ich bin ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass die Band nochmal so ein Album raushauen kann, das sich mit ihren großen Glanztaten aus den 1990ern mehr als messen kann.

* Grindcore ist in Großbritannien (vor allem Birmingham) in den 1980ern entstanden und verbindet Hardcore Punk mit Heavy Metal Elementen. Carcass sind genauer gesagt eigentlich die Pioniere des Goregrind, ein Subgenre des Grindcore, das die Elemente des Grindcores nimmt und sie mit Death Metal verbindet und so noch extremer wirkt. Ja, ja Metalheads und ihre Genre-Kategorien…

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Ich habe es noch nie erlebt, dass eine Band, die noch kein Album veröffentlicht hat, so einen Hype auslöst, wie die Kandier*innen von Spiritbox. Seit Sängerin Courtney LaPlante und Gitarrist Mike Stringer 2016 bei der (sehr kitschigen) Metalcore-Kombo Iwrestledabearonce ausgestiegen sind und Spiritbox gegründet haben, haben sie sich durch die Veröffentlichung einzelner Songs und eine top-professionelle Social Media Präsenz eine beeindruckende Fanbase aufgebaut. Ihre Lieder haben Millionen Streams und Clicks auf Youtube. Am 17. September ist das langerwartete Debüt-Album Eternal Blue des Trios veröffentlich worden und die Frage, ob es dem Hype gerecht werden kann, kann ich mit einem eindeutigen „Ja!“ beantworten. Spiritbox sind anno 2021 vielleicht der Prototyp der Modern Metal Band. Dabei profitiert das Album zum einen von LaPlantes unfassbarer Präsenz und Stimme, aber auch das Songwriting und die Produktion sind absolute Spitzenklasse. Die Band verbindet dabei ihre Metalcore Vergangenheit, mit Djent und einigen progressiven Elementen und weiß ganz genau, wann sie sich auch in der modernen Popmusik bedienen können. Das macht das Album zu einem wirklich kurzweiligen und abwechslungsreichen Hörerlebnis. Dem brachialen Holy Roller, steht das verträumte, an Indie-Rock erinnernde Secret Garden gegenüber. Und das vom Industrial Elemente beeinflusste Yellowjacket funktioniert auch neben dem Elektro-Pop-esken We Live in a Strange World. Der Song, der es mir aber am meisten angetan hat, ist Circle With Me. Darin kommt alles zum Vorschein, was diese Band so herausragend macht. Ein unglaubliches Gespür für Hits und die perfekte Balance zwischen Härte und Melodie. Wenn ich eine Sache kritisieren wollen würde, dann, dass das Album zu perfekt, zu glatt produziert ist, aber das ist wirklich meckern auf hohem Niveau. Ich bin fest davon überzeugt, dass Spiritbox ihren Weg nach oben unbeirrt fortsetzen werden. Selbst wenn Metal Fans der alten Schule hiermit sicher wenig anfangen können, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass gerade Jüngere durch Spiritbox für Metal als Ganzes begeistert werden können.

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Eine Sache, die ich mir in diesem Newsletter vorgenommen habe, ist zu zeigen, wie vielfältig die Metal Szene ist und das es eben nicht nur weiße Dudes sind, die anständigen Metal machen. Deswegen möchte ich euch direkt mal die OnlineShow Overkill Global von BangerTV ans Herz legen, von der jetzt die zweite Staffel begonnen hat. Darin stellen die verschiedenen BangerTV Hosts unterschiedliche Metal-Szenen auf der ganzen Welt vor, von Bangladesh, über Indonesien und Mexiko bis hin zu bizarren Szenen in Europa oder Nordamerika (in der ersten Folge, der zweiten Staffel geht es bspw. um christlichen Black Metal (oder Unblack Metal) aus Norwegen – yeah, it’s a thing).

 

Ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig die Metalwelt ist, sind Alien Weaponry. 2018 hat die Band aus Neuseeland, die aus drei Teenagern bestand (damals 16-18), mit ihrem Debütalbum für eine Menge Aufregung gesorgt. Neben dem außergewöhnlichen Talent, das die extrem junge Band, die vor allem aus den Brüdern Henry „Te Reiwhati“ und Lewis „Raharuhi“ de Jong besteht, von der breiten Masse abhebt, sticht vor allem der Gesang heraus. Denn alle Mitglieder haben Māori Vorfahren und singen in Englisch und eben der polynesischen Sprache Māori. Dazu kommt der rohe Sound, der Elemente des Groove und Thrash Metal mit indigenen Einflüssen der Māori mischt und fertig war ein Album, das einschlug wie eine Bombe. Seitdem wird die Band immer wieder mit Sepultura, den brasilianischen Ikonen des Thrash und Groove Metals, verglichen, die sich auf ihrem Album Roots in den 1990ern auch mit ihren indigenen Wurzeln auseinandersetzten. Eine Menge Druck für eine so junge Band, die am 17. September ihr zweites Album Tangaroa veröffentlicht haben. Auch auf dieser Platte sind die Energie und Dringlichkeit, die die Musiker antreibt, in jeder Sekunde zu hören. Allerdings kommt das Album nicht ganz an seinen Vorgänger ran. Das liegt zum einen daran, dass das Überraschungsmoment, mit dem die Band vor drei Jahren auf die Welt losgelassen wurden, naturgemäß etwas verpufft ist. Viele „Tricks“ der Gruppe kennen wir schon. Aber zum anderen wirkt Tangaroa auch einfach etwas überladen. Mit über einer Stunde Spielzeit ist das Album für mich zu lang. Das soll aber nicht heißen, dass es sich hier um ein schlechtes Album handelt. Songs wie das emotionale The Unforgiven, Ahi Kā oder der Titelsong zeigen das unfassbare Potenzial der Band. Aber ich glaube, dass das alles besser funktioniert hätte, wenn wir statt einer Stunde hier einen 40-minütigen Banger vor uns gehabt hätten, der die Hörenden mit Hunger auf mehr zurücklässt. Aber ganz ehrlich, so jung wie die Mitglieder der Band sind, habe ich keinen Zweifel, dass in Zukunft noch ganz große Alben von Alien Weaponry auf uns warten und für alle, die die Band noch nicht kennen, kann ich nur empfehlen einmal reinzuhören. Der Sound ist so einmalig, dass ihr es sicher nicht bereuen werdet.

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Ich gebe es ja zu, meine Tipps sind selten etwas für das Kaffeetrinken im Kreis der Familie. Aber damit ist ab heute Schluss! Wenn ihr schon immer eine Empfehlung für eure Eltern, Tanten, Onkels oder Freund*innen wolltet, die ihre wilde Phase in den 1970er und -80ern hatten, dann habe ich genau das Richtige für euch. The Night Flight Orchestra aus Schweden haben eigentlich als Nebenprojekt von Death Metal Sänger Björn Strid angefangen, sind inzwischen aber mindestens genauso erfolgreich wie seine Stammband Soilwork. Das Quintett steht dabei ganz im Dienste des Hard Rocks der späten 70er- und 80er-Jahre. Klebrige Melodien, eingängige Refrains, viel Keyboard und Strids Stimme die einfach dieses gewisse Etwas hat – das ist die Formel, nach der die Schweden ihren Erfolg komponieren. Auch Aeromatic II (VÖ: 03.09.), das nunmehr sechste Studioalbum in den letzten neun Jahren, strotzt nur so vor Hits. Natürlich lässt die Band dabei kein Klischee aus, aber ihr ganzer Ansatz ist so überdreht und selbstironisch, dass man einfach nicht anders kann, als laut im Auto mitzugröhlen (jedenfalls geht es mir so). Also, wer von euch einfach mal 40 Minuten lang den Kopf ausschalten will, die Hits von Journey oder Foreigner vermisst, dem kann ich das Ganze hier nur ans Herz legen. Natürlich ist das Eskapismus pur und hat mit Metal nicht viel am Hut, aber ganz ehrlich, ab und an haben wir uns das mehr als verdient. Und eins verspreche ich euch, nach dem dritten Eierlikör wird auch eure Familie mit einem Grinsen im Takt zu The Night Flight Orchestra mitklatschen.

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Natürlich ist es nicht möglich, einen Metal Newsletter zu schreiben und nicht über ein neues Iron Maiden Album zu reden. Senjetsu (VÖ: 03.09.) ist das inzwischen 17. Studioalbum der wohl ikonischsten Metalband aller Zeiten. Es gibt einfach keine andere Gruppe, die so sehr der Inbegriff des Metals ist wie die Briten. Völlig egal, ob man sich für das Genre interessiert oder nicht, Iron Maiden ist wahrscheinlich fast jedem irgendwie ein Begriff. Ich selbst bin gar kein expliziter Fan der Band und bin doch bei mehr Maiden-Songs textsicher als bei einigen meiner Lieblingsbands. Selbst im Jahr 2021, in dem alle Bandmitglieder die 60 deutlich überschritten haben, gibt es wenige Bands auf dem Planeten, die so einen Hype auslösen, wenn eine neue Veröffentlichung ansteht. Was ist also von Senjentsu zu halten? Das Album ist … okay. Es ist halt Iron Maiden. Was habt ihr denn anderes erwartet? An diesem Punkt in ihrer Karriere erfinden Iron Maiden weder das Rad noch sich selbst neu (auch wenn sie seit einigen Alben deutlich progressiver zu Werke gehen als früher). Ja okay, Bruce Dickinsons Stimme ist inzwischen so unbeständig wie das Wetter diesen Sommer, vieles klingt, als hätte ich es früher schon mal gehört und ob man ein 80-Minuten-Album mit drei Songs deutlich jenseits der 10-Minuten-Marke abschließen muss, sei mal dahingestellt. Trotzdem hat Maiden es immer noch drauf. Lieder wie Stratego, The Time Machine oder Death of the Celts sind alle größte Heavy Metal Kunst. Am Ende lässt es sich auf eine ganz einfache Formel bringen: wer Maiden bisher mochte, wird auch Senjetsu lieben (hat es doch alle typischen Trademarks des Bandsounds, den galoppierenden Bass von Steve Harris, die drei Gitarren, Dickinsons Harmonien), und wer Maiden bisher schon überschätzt fand, naja, diejenigen wird auch Senjetsu nicht vom Gegenteil überzeugen. Ich persönlich genieße jede Veröffentlichung dieser großen Bands, die den Sound des gesamten Genres geprägt haben, solange es sie noch gibt. Up the Irons! (Und „Psst!“ wer etwas modern Heavy Metal mag, guckt sich unten einmal Portrait genauer an.)

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Zum Abschluss ein paar weitere Alben, die ich diesen Monat mochte (SEHR viel Death and Black Metal, wenig anderes – sorry!):

Turnstile – Glow On (Dream Punk, VÖ: 27.08.)

Comet Control – Inside the Sun (Stoner Rock, VÖ: 27.08.)

Hooded Menace – Tritonus Bell (Death Doom, VÖ: 27.08.)

Wormwitch– Wolf Hex (Black Metal, VÖ: 27.08.)

Wharflurch – Psychedelic Realms ov Hell (Death Metal, VÖ: 03.09.)

Portrait – At One With None (Heavy Metal, VÖ: 03.09.)

Inferi – Vile Genesis (Progressive Death Metal, VÖ: 10.09.)